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HIRMEREI

ein Realisierungswettbewerb bereits durchgeführt,
Quelle : Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Die zur Hirmer Immobiliengruppe gehörende Hirmer Allach GmbH & Co. KG plant, auf dem etwa 1,6 ha großen Gelände südlich des S-Bahnhofs Karlsfeld (im Dreieck zwischen Eversbuschstraße, Otto-Warburg-Straße und den Bahngleisen) ein Wohnareal mit ca. 250 Wohnungen und Kindertageseinrichtungen zu bauen. Das bislang landwirtschaftlich genutzte Feld würde dadurch vollständig bebaut – 23.000 Quadratmeter Geschossfläche in geschlossener Bauweise, bis zu sechs Stockwerke hoch, stilistisch „urbaner Quartiersbau“.

Die Bezeichnung „Hirmerei“ nimmt Bezug auf die Phantasie, die Maximalbebauung in sog. Großform als angebliche Tradition eines utopistisch angelegten „kollektiven Wohnens“ zu verkaufen und das Projekt in eine Reihe mit der Borstei zu stellen. Die Architekten wollen ihr „städtisches Raumgefüge“ als „Pionier des kollektiven Lebens in der offenen, noch nicht klar determinierten Stadtlandschaft“ am trostlosen Stadtrand verstanden wissen (explizit referenzierend auf die „Borstei am Rande der damals vorstellbaren Stadt – unmittelbar neben Eisenbahngleisen, Gasometern und Trambahnwerkstätten“; „in dieser Tradition der selbstbewussten Setzung eines kollektiven Stadtbausteins sieht sich das vorgeschlagene Projekt“, so die Architekten selbst. Mehr info dazu.

Weder die Bebauung noch selbst ein einmal beschlossener Bebauungsplan lässt sich wieder rückgängig machen. Es fehlt aber nach wie vor an einem Verkehrskonzept für Allach-Nord und Karlsfeld, wie das mit dem lokalen und dem überregionalen Kraftverkehr künftig überhaupt noch bewältigt werden kann.

Reine Augenwischerei ist die Vorgabe des Aufstellungsbeschlusses, der Bebauungsplan müsse für eine vielleicht dann irgendwie mögliche Entlastungsstraße eine „Trasse freihalten“, obwohl alle Planer angesichts der fehlenden Anbindungsmöglichkeit (Nordseite: Privatgelände mit unverzichtbarem P+R-Parkplatz, Südseite: Tunnel der Otto-Warburgstraße) von vornherein keinen Sinn darin sehen und eine Weiterführung Richtung Ludwigsfelder Straße unmöglich bzw. absolut unrealistisch wäre (wegen der Bahngleise und des Allacher Forstes entstünden wahnwitzigen Kosten für Brücken- oder Tunnellösungen!).

Es fehlt nicht zuletzt ein ökologisches und städtebauliches Gesamtkonzept für die stadtrandnahen Gebiete im Nordwesten und zur Begrenzung der maßlosen Bautätigkeit und Nachverdichtung. Von Aubing bis Feldmoching durchgehend das Gleiche: Der wohnungswirtschaftliche Druck und das Profitinteresse von Investoren verleiten zur Maximalbebauung. Dabei aber verlieren Stadtviertel ihre Qualität, deren besonderer Charakter unsere Stadt und das Leben seiner Bewohner prägt. Immer mehr Areale und Flächen werden besinnungslos drangegeben, obwohl die Infrastruktur nicht mithalten kann, die aufgelassenen Grünflächen als Sauerstofflieferanten und Windschneisen fehlen und die regionale Landwirtschaft vor die Hunde geht. Viele der Ideen für die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, der Abfangung des Pkw-Pendlerverkehrs an der Stadtgrenze und ein leistungsfähiges Rad-Schnellwegenetzes könnten daran scheitern, dass genau bei uns die entscheidenden Flächen fehlen.